Dorothea Brummerloh

freie Journalistin

Feature

Das Recht zu sterben (SWR 2 „Leben“)

Über die Patientenverfügung im medizinischen Alltag.

Ein schwerkranker Patient im Pflegeheim fällt mit akuter Atemnot ins Koma. Der Notarzt wird gerufen, der den Patienten künstlich beatmet und auf die Intensivstation bringt. Gegen seinen Willen, wie sich später dort herausstellt. Das hatte der Mann in seiner Patientenverfügung eindeutig festgehalten. Was nun? Abschalten?
Der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen ist nicht mehr strafbar, wenn ein Patient dies vorher verfügt hat. Das entschied der BGH auf der Grundlage des Gesetzestextes von 2009 zur Patientenverfügung verbindlich. Unabhängig von Art und Stadium der Krankheit ist der Patientenwille entscheidend. Das Urteil führt letztlich dazu, dass Ärzte nicht mehr um jeden Preis versuchen, das Leben ihrer Patienten zu erhalten, sondern in erster Linie den Willen des Patienten zu akzeptieren.

Das Recht zu sterben (mp3)
Das Recht zu sterben (pdf)

nach oben

Die freuen sich, wenn man kommt… (DLF „Dossier“)

Über Honorarärzte an deutschen Kliniken

Rund zwei Drittel der Kliniken in Deutschland haben Schwierigkeiten, offene Arztstellen zu besetzen. Deshalb greifen immer mehr Personalchefs auf Honorarärzte zurück. Nahezu 4000 selbstständig arbeitende Ärzte gibt es mittlerweile in Deutschland, und es werden ständig mehr.
Noch vor ein paar Jahren übernahmen die ersten Leihärzte die ungeliebten Bereitschaftsdienste, nachts und an den Wochenenden. Seit Anfang 2009 werden sie aber auch für den normalen Dienst gebucht. Wegen des Ärztemangels und der strenger gewordenen Arbeitszeitvorschriften können viele Krankenhäuser ihren Betrieb ohne kurzfristig angeheuertes Personal nicht mehr aufrechterhalten. Betroffen sind nicht nur die kleinen Häuser, selbst viele Universitätskliniken können auf Leihdoktoren nicht mehr verzichten.

Die freuen sich, wenn man kommt… (mp3)
Die freuen sich, wenn man kommt… (pdf)

nach oben

Organspende in Deutschland (rbb)

Organspende in Deutschland

Organspende, ja oder nein - darüber hatte Sandra Urbach noch nie nachgedacht, als bei ihrem 12-jährigen Sohn der Hirntod festgestellt wurde. So sinnlos sein Tod ihr erschien, tat es gut zu wissen, dass seine Organe anderen Menschen das Leben retteten. Rund 12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Jährlich sterben über 1000 Patienten auf der Warteliste, weil es nicht genügend Spender gibt. Eine unhaltbare Situation, darüber sind sich Politiker, Mediziner und Betroffene einig. Selbst Kirchenvertreter mahnen: „Nimm deine Organe nicht mit in den Himmel!“ Ende des Jahres soll das Transplantationsgesetz geändert werden. Eine Widerspruchslösung lehnen viele Experten ab. Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber will aber jeden moralisch verpflichten, sich zu entscheiden, ob er diesen Akt der Nächstenliebe leisten will oder nicht.

Herzlos in den Himmel? (mp3)
Herzlos in den Himmel? (pdf)

nach oben

Schule am Küchentisch (SWR 2 „Leben“)

Über Homeschooling in Deutschland

In den meisten europäischen Ländern ist Unterricht zuhause erlaubt. Doch Deutschland hält an der Schulpflicht fest, mit allen Konsequenzen: Geldstrafen, Androhung von Zwangsmaßnahmen, Sorgerechtsentzug. Trotzdem gibt es eine wachsende Zahl von Eltern, die das deutsche Schulsystem boykottieren. Weil die meisten Homeschooler die Öffentlichkeit scheuen, sind genaue Angaben kaum möglich. Doch es sind keinesfalls nur esoterische Spinner oder religiös Verbrämte, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen.

Schule am Küchentisch (mp3)
Schule am Küchentisch (pdf)

nach oben

Ich bin meiner Mutter dankbar (DLF „Das Feature“)

Wie ein tamilischer Kinderflüchtling zum deutschen Arzt wurde.
Als der Bürgerkrieg in Sri Lanka ausbrach, traf seine Mutter eine Entscheidung, die Umeswarans Leben grundlegend beeinflussen sollte...
Die Geschichte von Umeswaran Arunagirinathan begann in Jaffa, einer Halbinsel im Norden Sri Lankas, wo er in einem Städtchen namens Putur aufwuchs. Die Familie baute Zwiebeln und Bananen an, verkaufte sie, besaß irgendwann einen kleinen Gemüseladen. Ein ganz normales Leben also, sagt Arunagirinathan, den alle nur Umes nennen.
Diese Normalität endete abrupt, als der Bürgerkrieg zwischen den Regierungstruppen und der tamilischen Befreiungsarmee begann. Schulen wurden geschlossen, Hubschrauber überflogen die Häuser und brachten Raketen und den Tod. Die tamilische Bevölkerung stand zwischen zwei Fronten: Die "Tamil Tigers" rekrutierten Teenager und die Regierungstruppen verschleppten sie, weil jeder in ihren Augen ein potenzieller Unterstützer der Rebellen war. Deshalb beschloss die Mutter, ihren ältesten Sohn in Sicherheit zu bringen: zu ihrem Bruder nach Hamburg. Gerade mal 12-jährig brach Umes zu dieser Reise ins Ungewisse auf.

Ich bin meiner Mutter dankbar (mp3)
Ich bin meiner Mutter dankbar (pdf)

Erich-Klabunde-Preis 2011

nach oben

Wenn geistig Behinderte Eltern werden (HR 2 Kultur)

Im gängigen Alltagsverständnis schließen sich Geistigbehindertsein und Elternschaft gegenseitig aus. Die Vorstellung, dass geistig behinderte Personen, die oft selbst Hilfe benötigen, für ein Kind sorgen und es erziehen, erscheint vielen abwegig. Tatsächlich gibt es aber keinen wissenschaftlichen Beweis, dass "eine gute Mutter sein" oder "ein guter Vater sein" und intellektuelle Fähigkeiten unmittelbar zusammenhängen. Knapp 2000 Kinder geistig Behinderter leben in Deutschland; jedes Jahr werden etwa 100 geboren, Tendenz steigend. Ihr Leben ist ein Balanceakt: Die Eltern sind hirngeschädigt oder zurückgeblieben; die Kinder selbst aber haben eigentlich eine gute Chance, sich normal zu entwickeln. Denn nur wenige Ursachen geistiger Behinderung sind vererbbar.
Wie alle anderen Eltern müssen, sollen und dürfen auch Behinderte ihre Kinder erziehen. Das ist ihr in der Verfassung verankertes Grundrecht. Dagegen stehen die Rechte der Kinder. Sie sollen sich frei entfalten können, unversehrt bleiben; von Eltern erzogen werden, die das körperliche, geistige und seelische Wohl ihrer Kinder nicht gefährden. Es ist ein schwieriger Familienalltag, der manchmal gelingt, doch ohne fremde Hilfe fast nie. Meist müssen Sozialarbeiter, Großeltern oder Helfer die Eltern und Kinder betreuen, damit das Zusammenleben funktioniert und keine Seite Schaden nimmt.

Wenn geistig Behinderte Eltern werden (mp3)
Wenn geistig Behinderte Eltern werden (pdf)

nach oben

Wer es draußen nicht schafft, schafft es hier auch nicht (SWR 2 „Leben“)

Über das Leben von Frauen hinter Klostermauern
Ein Feature von Dorothea Brummerloh
In deutschen Klöstern fehlt der Nachwuchs. Die Zahl der Novizen geht seit Jahrzehnten zurück, viele Ordensgemeinschaften überaltern. Vor zehn Jahren waren es knapp 40000 Ordensschwestern, und in zehn Jahren, so befürchten Experten, werden es womöglich nur noch 2000 bis 3000 sein. Rund drei Viertel aller Schwestern sind heutzutage über 65 Jahre alt. Im Zisterzienserinnen Kloster Helfta zum Beispiel leben 14 Nonnen. Unter ihnen ist nur eine junge Frau, die im nächsten Jahr ihr ewiges Gelübde ablegen will. Schwester Gertrud ist seit 4 Jahren in der Gemeinschaft und möchte hier bleiben. Dass das Leben hier nicht immer einfach ist, haben ihr die älteren Schwestern erzählt. Luzia zum Beispiel. Seit 49 Jahren ist sie in diesem Orden. Gehorsam, Armut, Verzicht auf Familie - das sind Dinge, die das Klosterleben prägen, denen man sich unterordnen muss. Dessen muss sich eine junge Frau bewusst sein, sonst schafft man das Leben hier nicht, sagt Luzia. Es geht nicht nur um den Verzicht auf eine Familie. Es geht um autoritäre Strukturen, um die Aufgabe von Persönlichem, Leben in einer Frauengemeinschaft. Wie schwer das ist, hat Gertrud schon erfahren. Und dann kommen die Zweifel, ob dass das richtige Leben ist. Nichts desto trotz - Gertrud bleibt.

Wer es draussen nicht schafft, schafft es hier auch nicht (mp3)
Wer es draussen nicht schafft, schafft es hier auch nicht (pdf)

nach oben

Wenn Anna nicht wäre - Über illegale Pflegekräfte aus Polen (SWR 2 „Leben“)

Die Polin Anna pflegt Herrn K. Er gehört zu den schätzungsweise 1,4 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland und sie zu den Zehntausenden von Pflegerinnen aus Osteuropa, die von deutschen Familien - meist illegal - beschäftigt werden, zu Preisen die weit unter dem liegen, was hiesige private Soziale Dienste verlangen müssen. Anna hilft Herrn K. aus dem Bett, sie hilft ihm auf die Toilette zu gehen, beim Baden. Sie kocht für ihn, macht ihm den Haushalt und gibt ihm seine Medikamente. Anna tut das mangels Alternative in der Heimat, und weil das Wenige, was sie hier verdient in Polen sogar noch dafür reicht, das Studium der Kinder zu unterstützen. Sie tut das inzwischen aber auch, weil sie Herrn K. nicht alleine lassen will. Ohne sie wäre er völlig hilflos. Doch der persönliche Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch: Ihre eigene Familie sieht sie nur zwei, drei Mal im Jahr, ganz zu schweigen von der körperlichen Belastung.
Wie lange also wird Anna noch durchhalten?

Pflegekraefte (mp3)
Pflegekraefte (pdf)

nach oben