Dorothea Brummerloh

freie Journalistin

Island 2016

Im April 2016 war ich drei Wochen in Island, dem spätestens seit der Fußball-EM gut bekannten Inselstaat im Nordatlantik, auf dem es Vulkane mit unaussprechlichen Namen und atemberaubende Landschaften gibt. Isländer gelten als trinkfest, maulfaul und als Erfinder des gleichnamigen Pullovers. Spricht man mit ihnen, dann gebraucht man selbstverständlich das „Du“. Ich war total neugierig auf die Insel, ihre Bewohner und auf die Geschichten, die sie mir erzählen würden.

Wenn man auf die Insel kommt, kommt man an Ihnen nicht vorbei: das Huldufólk, das versteckte Volk. Was für die Iren der grün gewandete Leprechaun mit seinem Schatz am Ende des Regenbogens ist, scheinen für die Isländer die Elfen zu sein. Wenn die Straße aus unerklärlichen Gründen einem großen Schlenker macht, kann man sicher sein: im Felsbrocken am Straßenrand wohnen Elfen. Der Ursprung des Glaubens an Elfen, Feen und Trolle wird in den Naturkräften gesehen, die sich die Menschen jahrhundertelang nicht rational erklären konnten. Die Isolation der Insel und die langen Winter trugen zur Aufrechterhaltung des Glaubens bei. Früher als Aberglaube von der Kirche strikt verboten, sprechen die Isländer heute offen darüber. Selbst wenn sie nicht wirklich an die übernatürlichen Wesen glauben, so gefällt ihnen der Gedanke, dass ihre Insel nicht so unbewohnt ist, wie sie scheint.

Auf Island wurde das Christentum im Jahr 1000 per Beschluss des Parlaments Alpingi quasi „adoptiert“. Bis dahin war die Bevölkerung den alten nordischen Göttern Odin, Thor und Freya treu. Die religiöse Umorientierung der Isländer war allerdings nicht aus freien Stücken, eher um einen Glaubenskrieg zwischen Christen und Heiden zu verhindern und die guten Beziehungen zu Norwegen nicht aufs Spiel setzen.

Seit 1874 herrscht in Island völlige Religionsfreiheit. Etwa 75 % aller Isländer gehören der evangelisch-lutherischen Staatskirche an. Mit der Einwanderung aus aller Herren Länder hielt auf der Atlantikinsel eine Vielfalt an Glaubensrichtungen Einzug: Buddhisten, Baptisten, Moslems, Pfingstkirchler, Zeugen Jehovas - über 30 verschiedene Religionsvarianten sind beim statistischen Amt registriert.

Und auch die alten nordischen Götter haben noch nicht ausgedient. Anfang der 1970 er Jahre sorgte der Dichter und Schafzüchter Sveinbjörn Beinsteinsson aus Borgarfjördur für eine Wiederbelebung des Heidenkults. Heute sind die Àsatrú die größte nichtchristliche Gemeinschaft Islands. Die Gespräche mit Hilmar Hilmarsson, dem Allsherjargode, dem obersten Priester der Ásatrú und Mitgliedern der Gemeinschaft war sehr aufschlussreich. Ich hatte das Glück, auch an einem heidnischen fest teilnehmen zu können: Sigrblót, der letzte heidnische Feiertag, der vom altisländischen Kalender erhalten geblieben ist. Dieser Tag ist ein Zeichen des Neubeginns, den die Àsatrú in Ehren halten und gebührend feiern.

Während meines Aufenthaltes in Island habe ich bei Dorothee Kirch gelebt, einer deutschen Frau, die in den 1990iger Jahren nach Island ausgewandert ist. Was zieht Frauen auf eine Insel, die so gut wie nichts zu bieten hat, außer atemberaubende Landschaften und Vulkane mit unaussprechlichen Namen? Wie lebt es sich bei Regen und Eiseskälte, wenn man die Sprache nicht beherrscht?

Island ist beliebt bei Einwanderern: 2012 hatten auf der Insel knapp 21.000 Personen mit nicht isländischer Staatsbürgerschaft ihren offiziellen Wohnsitz. Das entspricht einem Anteil von 7,6 % der Gesamtbevölkerung. Schon 1949 kamen die ersten deutschen Frauen mit dem Dampfer „Esja“ auf die Insel, die bis heute an Anziehungskraft nichts verloren hat. 5 deutsche Frauen haben mir ihre Auswanderer - Geschichte erzählt. 

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