Dorothea Brummerloh

freie Journalistin

Reportagereise Schweiz 2012

Im April 2012 war es wieder einmal soweit: eine Reportagereise - diesmal in der Schweiz. Das Ganze sollte – ganz Schweizerisch - ein ruhiges Thema werden. Was bietet sich da mehr an als das Klosterleben. Ich habe mir den Kapuzinerorden ausgesucht, weil ich einerseits noch nicht so viel von den Kapuzinern wusste und andererseits durch eine ungewöhnliche Stellenanzeige auf sie aufmerksam geworden bin:

Wir suchen nach Vereinbarung einen oder mehrere Mechaniker, Schreiner, Gärtner, Krankenpfleger, Katecheten, Banker, Kaufleute, Juristen, Theologen, Kommunikationsspezialisten als Kapuzinerbruder (Lebensstellung 100 %).Wenn Sie ein lediger Mann sind, idealerweise zwischen 22 und 35 Jahre alt, wenn Sie eine entsprechende Ausbildung haben, röm.-kath. getauft, gemeinschaftsfähig und selbständig sind, soziale Kompetenz und Sensibilität für Religionen besitzen sowie lebenstüchtig, initiativ, neugierig und suchend sind, sollten Sie Kontakt mit uns aufnehmen. Wir bieten Ihnen keine Bezahlung, sondern Spiritualität und Gebet, Kontemplation, eine egalitäre Lebensform, Freiheit von persönlichem materiellem Reichtum und von dem üblichen Zweierbeziehungsmodell.

Das fand ich spannend, witzig und es hat meine Neugier geweckt, so dass ich mehr über den Schweizer Kapuzinerorden wissen wollte.

Die erste Station war das Kloster Brig (www.klosterbrig.ch), das Ausbildungskloster der Kapuziner. Dort habe ich mich mit Männern unterhalten, die sich für ein Leben als Kapuziner entschieden haben. Die Postulanten lernen in Brig das Ordensleben der Kapuziner, das gemeinsame Gebet und den Tagesablauf kennen, wollen dort Klarheit bekommen, ob ein Leben in Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit für sie in Frage kommt. Es war sehr spannend, was die Männer dazu bewogen hat, Kapuziner zu werden, denn die Motive für den Eintritt in den Orden sind sehr unterschiedlich.

Im Kloster Rapperswil (www.klosterrapperswil.ch) habe ich ein paar Tage mitgelebt. Die Kapuzinerbrüder bieten hinter ihren Klostermauern Zuflucht auf Zeit vor der Hektik des Alltags. Mit dem „Kloster zum Mitleben“ haben die Mönche auf die steigende Nachfrage nach spirituellen Leben reagiert. Mitleben in der franziskanischen Brüdergemeinschaft bedeutet, dass die tägliche Arbeit unter ALLEN aufgeteilt wird. Und Arbeit gibt es genug: Klosterladen, Küche, Kirche und Garten. Eine wichtige Erfahrung für stressgeplagte Großstadtneurotiker, unter Erfolgsdruck stehende Wirtschaftskapitäne, sowie sonst irgendwie Unausgeglichene nach einem Aufenthalt dort: Man bekommt ohne Handy, Computer und ständiger Erreichbarkeit keine Mangel – und Entzugserscheinungen.

In Rapperswil habe ich auch einem so genannten „Bruder auf Zeit“kennengelernt: Bruder Fridolin, der nette Bruder Pförtner im Kloster Rapperswil. „Bruder auf Zeit“ ist eine Besonderheit der Kapuziner. Damit wird Männern, die an einem Klosterleben interessiert sind, aber vor der Verpflichtung auf Lebenszeit zurückschrecken, die Möglichkeit geben, Ordensleben zu erfahren.

Ein Erlebnis besondere Art war das Kloster Wesemlin in Luzern (www.kapuziner.ch , Niederlassungen Luzern), eines der drei so genannten Altersklöster. Schon am Gesang in der Kapelle konnte ich hören, dass auf dem Wesemlin, wie die Kapuziner hier sagen, viele ältere Brüder leben. Das Kloster mit seinem weitläufigen Gelände muss von 35 Brüdern versorgt werden – Greise und Pflegebedürftige eingeschlossen. Mit Gottes Hilfe, Verständnis für die Eigenart des Anderen und Hilfsmitteln ist das alles kein Problem, erklärte mir Br. Adrian, der Guardian, also Vorsteher des Klosters und hat sich lausbübig darüber gefreut, dass ich mich in die von einem älteren Bruder verkleckerte Frühstücksmarmelade gesetzt habe.

Das und vieles mehr findet sich in den beiden Sendungen, die aus meinen Reiseerlebnissen entstanden sind.

rbb - Mönche gesucht (mp3)

Bilder der Schweiz-Reise