Dorothea Brummerloh

freie Journalistin

Reportagereise Tur Abdin 2014

Im November 2014 war ich auf einer Reportagereise in das Gebiet des Tur Abdin. Der „Berg der Knechte (Gottes)“ ist eine Gebirgslandschaft in Anatolien, im Südosten der Türkei und grenzt im Süden unmittelbar an Syrien und im Südosten an den Irak.
 
Gemeinsam mit Israyil und Manuel Uyar bin ich durch das Gebiet des Tur Abdin gefahren und haben mich auf Straßen, die diese Bezeichnung nicht verdient haben, durch das auf 1000 bis 1200 Meter gelegenen Hochplateau gekämpft, um zu den vielen Kleinodien und bedeutsamen Klöstern der Aramäer zu gelangen. In den Kirchen wird vor allem das klassische Syrisch benutzt und so nennt man sie auch syrische Christen (Suryoye).
 
Auf unserem Weg durch Land ging es durch karges Karstgebirge, in denen außer Ziegenhirten fast niemand zu sehen war. Es ist eine Landschaft aus wasserdurchlässigen Kalkgestein, in denen sich viele Höhlen bilden, die durch bizarrere Felsformation, einzelne Basaltblöcke und riesige Gesteinsbrocken mit scharfen Kanten geprägt wird.
 
Auf den Feldern sieht man Bauern mit winzigen, altersschwachen Traktoren, aber auch moderne landwirtschaftliche Geräte und Bauern, die mit einem Pferd oder Esel das handtuchgroße Feld pflügen. Angebaut werden Weizen, Gerste, Hirse, Kichererbsen, aber auch Melonen, Kürbisse, Gurken, Tomaten. Es gibt Olivenhaine und Obstgärten, in denen man Kirschen, Walnüsse, Granatäpfel, Feigen, Aprikosen erntet. Und auch Weinstöcke findet man: Im Tur Abdin soll es 17 verschiedene Traubensorten, aus denen Wein, Rosinen und verschiedene Süßigkeiten hergestellt werden. Meist aber überwiegt die Weidewirtschaft. Schafe und Ziegen werden frühmorgens vom Hirten durchs Dorf getrieben, um sie zu sammeln und dann den täglichen Weidegang zu unternehmen.
 
Nach dem Exodus im 20. Jahrhundert siedeln heute im Tur Abdin nur noch wenige tausend Aramäer. Die Bevölkerung im Tur Abdin ist heute sehr stark gemischt: Es leben hier Aramäer, Kurden, Araber und Türken.
 
Die christlichen Aramäer im Tur Abdin sprechen im Alltag die Sprache Jesu, einen aramäischen Dialekt, der heute als Turyoyo bezeichnet wird. Sie tragen diese Tradition von den ersten Anfängen der Christenheit bis in die heutige Zeit. Und ihre Klöster zeugen davon: Zu den ältesten, noch heute bestehenden Klöstern gehört Mor Gabriel aus dem späten 4. Jahrhundert, sowie das Kloster Zafaran aus dem 5. Jahrhundert. Weitere noch genutzte Klöster sind Mor Malke, das Mutter-Gottes-Kloster in Hah, Mor Augin und das Jakobskloster Mor Yakob in Salah, die ich alle besucht habe.

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